Berlin, Der aktuelle Ton
Am Tag nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz / Foto: Paul Vorreiter Deutschlandradio
Am Tag nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz / Foto: Paul Vorreiter Deutschlandradio
21.12.2016

Gedenken an die Opfer, Wut auf die Politiker: Der Berliner Breitscheidplatz nach dem Anschlag

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Viele Menschen sind tief erschüttert darüber, was auf dem Weihnachtsmarkt im Berliner Westen passiert ist. Ausdruck davon sind die niedergelegten Kerzen und Kränze rund um den Unglücksort. Auch ein Gedenkgottesdienst und die Präsenz von Spitzenpolitikern wie Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier sollen vor allem Eines vermitteln: Wir lassen die Opfer nicht im Stich und lassen uns in unserem freiheitlichen Leben nicht einschränken. Der Vorfall, bei dem immer noch unklar ist, wer für ihn verantwortlich ist, scheint aber auch die Spaltung der Gesellschaft zu befeuern. Denn über die politischen Konsequenzen sind sich die Menschen uneins.

Breitscheidplatz nach dem Anschlag 20.12.2016 / Foto: Paul Vorreiter

Breitscheidplatz nach dem Anschlag 20.12.2016 / Foto: Paul Vorreiter

Selten gelingt es Reportern, durch Zufall in eine hitzige Debatte von Bürgern zu stoßen. So passiert an Tag 1 nach dem Anschlag. Während eine Gruppe von Menschen still an der Budapester Straße trauerte und dabei auf die vielen Kerzen blickte, stritt sich am Rande von ihnen eine Menschentraube von bis zu zehn Personen. In ihrer Aufgebrachtheit überschritten manche auch die Grenzen des guten Geschmacks.

Kommentare zu diesem Beitrag (4)

  1. Esben Koehn | 21. Dezember 2016, 18:28 Uhr

    Tun, was funktioniert

    Persönlich begrüßte ich die Haltung der Bundesregierung, die Flüchtlinge in 2015 in großer Zahl nach Deutschland kommen zu lassen.
    Aber: Es wurden Fehler gemacht. Die Mittelausstattung für das BAMF, die Durchführung der Aufnahme, Verteilung, Begleitung, Überprüfung, wer tatsächlich berechtigt war, waren unzureichend. Auch dadurch haben es fundamentale inländische Gegner dieser Politik leicht gehabt. Den „Rattenfängern“ ist es dadurch sehr leicht gemacht worden. Dies hat nachfolgend ernsthate Diskussionen sehr erschwert.
    Es fehlt an einer klaren Haltung. Es funktioniert einfach nicht, einerseits zu propagieren, man setze auf Diplomatie, andererseits immer noch der dritt- bis fünftgrößte Waffenexporteur der Erde zu sein. Auch nicht, sich jeder Kritik an der NATO und an den USA zu enthalten, gleichzeitig aber -nur- Russland und Putin als die „Bösen“ zu brandmarken. Die Menschen merken natürlich, dass das unehrlich ist.
    Dauerhaft könnte Deutschland nur die Glaubwürdigkeit in dem Nord-Süd-Konflikt und den Stellvertreterkriegen zurück erlangen, wenn es aus der NATO austräte und zusammen mit anderen Staaten in Europa ein reines Verteidigungsbündnis entwickeln würde, Das würde auch die Haltung vieler Menschen, die den Westen (einschließlich Deutschlands) hassen deutlich beeinflussen können. Nach meiner Überzeugung könnte dies die Gefährdung hier in D mittelfristig deutlich mindern. Absolute Sciherheit gibt es aber nicht.

    • inba | 30. Dezember 2016, 17:33 Uhr

      Berlin Dezember 2016

      Der letzte Satz stimmt!

      vorher aber: ja, „unsere Politik“ hat diese Situation geschaffen.
      Warum? Menschlichkeit war vordergründig. Das war nicht falsch- nur
      unbedacht umgesetzt. Gesetze haben wir. Nur gehen wir diesen nicht straight nach.
      Da liegt der Hase im Pfeffer.
      Warum? Weil wahrscheinlich auch heute noch keiner in D. wirklich äußern darf, was er denkt,
      ohne in die Schublade der Nazis im „Reich“ gedrückt zu werden.
      Deutschland muss wach werden. Scheint langsam………… zu klappen- aber das heißt nicht, dass die AFD da die Vorreiter sind.
      Mit Putin hast du recht. Sicher auch mit deiner Angabe zu Waffengeschäften weltweit!
      Da werden Äpfel mit Birnen gemischt.
      Politik wird niemals offen für uns sein. Da müssen wir Bürger viele verschiedene Presseveröffentlichungen (auch aus anderen Ländern ! ) eruieren. Zum Glück können wir das in D. ja d(n)och. Kostet halt viel Zeit und Recherche für uns jeden Bürger persönlich.

      Lösung erstmal: unsere Gesetze wirkungsvoll direkt umsetzen.
      Wenn sie nicht reichen; diese -auch im Grundgesetz- ändern.
      Dazu braucht es eine klare/schnelle entscheidungsfähige Regierungsmehrheit zumindest in unserem Land. Diese haben wir dato nicht.
      Hierüber mag ich Verzweiflung äußern. Das Wahljahr 2017 sehe ich sehr emotional geführt.
      Die richtigen Entscheidungen wirklich zu treffen?

      Warum ich mich auf dieser Seite überhaupt eingeloggt habe:
      ich möchte hier an meiner Stelle einfach mal ein herzliches “ Wir wünschen dir alles Gute!“ an unsere Berliner Opfer (auch Angehörige!) senden. Sie sollen wissen, dass wir bei ihnen sind!. Die Opfer des Weihnachtsmarktes in Berlin befinden sich noch im KH. Sind absolut schwer angeschlagen. Physisch und psychisch. Genau denen will ich meinen Mut aussprechen, nicht aufzugeben. Wieder gesund zu werden. Ein gutes und mit nun viel Input auch gesundes und glückliches Neues Jahr 2017 wünschen.
      Diese Menschen sollten uns vordergründig wichtig sein.

  2. Müller | 21. Dezember 2016, 20:03 Uhr

    Wer sich an Kriegen (Anti-IsKoalition, Waffenlieferungen) beteiligt, muss damit rechnen das man angegriffen wird. Zudem kommt noch die unkontrollierte Einwanderungs-/Asylpolitik. Die Flüchtlingsproblematik war schon seit vielen Jahren bekannt. Man hätte dies mit Weitblick regeln müssen. Dies wäre für die Flüchtlinge und für unsere Bevölkerung besser gewesen. Durch diese verfehlte Politik verlieren wir alle! Wer übernimmt jetzt die Verantwortung?!

    Mein Beileid an die Betroffenen.

  3. Bernd Derksen | 25. Dezember 2016, 18:39 Uhr

    Versteckt sich ein DLF-Mitarbeiter hinter "Gastautor" beim Diskreditieren offener Debatten normaler Bürger?

    Lieber „Gastautor“,
    nett dieser unzensierte Einblick in offene Debatten normaler Bürger.
    In etablierter Politik und Medien sehe ich daran zumeist eher kein Interesse.

    Was ist das Ziel?
    Möchten Sie damit gewisse Aspekte Debatte über Sicherheit quasi „unmöglich“ machen?

    Interessant z.B. welche der Bürger der Interviewer fürs spätere Einzel-Befragen auswählt. Vermutlich solche, bei denen er aufgrund des zuvor Geäußerten vermuten kann, dass diese ihm „Erwünschtes“ ins Mikrofon sagen.

    Vielleicht bin zu kritisch, aber aufgrund des offenkundigen Staatsversagens kann ich vielleicht nicht anders… 😉