Berlin, Parteien, Wahlen und Wahlkampf

30.03.2017 Die Grünen und der kalte Kaffee von Falk Steiner

Es gibt Zitate, die bleiben am Schuh kleben. Zum Beispiel das von Katrin Göring-Eckardt in der Wahlnachlese-Pressekonferenz am Montag zur Saarlandwahl, bei der die Grünen aus dem Parlament flogen. Was ist bloß los bei den Grünen?

Der heiße Scheiß, das seien ihre Themen nicht, konstatierte Katrin Göring-Eckardt am Montag bei der Wahlnachlese zum Saarland – wo die Grünen krachend gescheitert waren.
Die Gründe? Nicht allzu viele Saarländer hatten sich dem sicherlich wichtigen Thema Grundwassergefährdung durch Grubenwasser hingeben wollen. Das kam für die Grünen offenbar überraschend. Denken auch Sie jetzt: Ach, wirklich?

Ja, wirklich: Die Grünen haben sich dafür entscheiden, sich selbst zu wählen. Also den Wählern das Angebot zu machen, das in der Partei unumstritten ist. Also kann man in den kommenden Monaten jene Grünen sehen, die die Welt nur von ihren Kindern geborgt haben, die mit Klima, Tierschutz und regenerativer Elektromobilität offensiv in die Bundestagswahl gehen.

Wirtschaft? Ach Quatsch. Soziales? Das machen schon die anderen. Außenpolitik? Ach, da kann man eh keine Wahl mit gewinnen. Steuern? Ihpfuibäh, das hat beim vergangenen Mal schon nicht funktioniert. Und Europa? Na, das ist bei den Grünen doch so selbstverständlich, dass man die Flagge grün anmalen könnte und die Sterne durch Sonnenblumen ersetzen. Nein, das alles ist nicht heiß. Das ist schon seit Jahren kalt und die Frage „Haddu kalten Kaffee?“ ist spätestens seit einem Häschen-Witz, der etwa so alt sein dürfte wie die Grüne Partei, ausreichend beantwortet. Und nur weil die Grünen da am glaubwürdigsten sein mögen, reicht das natürlich nicht für einen furiosen Wahlkampf, so lange kein Atomkraftwerk explodiert.

Bloß: aus der Selbsterkenntnis, dass ihre Themen nicht der heiße Scheiß sind, daraus leiten die Grünen nichts ab. Warum sollte man sich auch fragen, ob die eigene Erzählung ausreicht? Ob das irgendwen begeistert? Wenn man auf dem Ticket Ökopartei doch halbwegs sicher in den Bundestag kommt – wenn auch nur mit wenigen Stimmen über den Durst?

Während die CDU sich im Wettstreit mit der SPD in Wallung bringt, wallt bei den Grünen höchstens Anton Hofreiters Haar. Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir stehen derzeit wie welkende Sonnenblümchen auf dem Wahlkampf-Feld. Wenn ihnen aber nicht schnell etwas einfällt, warum Bürger diese Partei wählen sollten, außer dem Verkaufsargument ‚Grüne – Da weiß man was man hat, mit Ausnahme des angestrebten Koalitionspartners‘, dann könnte selbst die Fünfprozentfrage schwierig werden.

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