Thüringen
Warten auf den Gauland-Vortrag (Foto: Henry Bernhard)
Warten auf den Gauland-Vortrag (Foto: Henry Bernhard)
27.01.2015

Wie Alexander Gauland an der Erfurter Uni nicht auftrat

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Eine Stunde lang sitzt er stoisch an seinem Tisch, das Mikrofon vom Deutschlandradio und ein Glas Wasser vor sich: Alexander Gauland, Vorsitzender der Brandenburger AfD. Im Hörsaal 5 der Erfurter Uni will er einen Vortrag halten. Der etwas holprige Titel: „Kalter Krieg 2.0. Verzockten wir den Frieden?“ Zwei-drei Dutzend Leute sind gekommen, meist Männer um die 60, manche von ihnen mit Ehefrau. Auch sie schweigen. Ringsum ein bunter Haufen von Studenten, lärmend, johlend, klatschend. Noch mehr von ihnen stehen vor dem gefüllten Hörsaal, begehren Einlass . Doch da sind die schwarzgekleideten Security-Männer vor, die den Charme von Wachleuten auf einem NPD-Parteitag verströmen.

Die Studenten wollen Alexander Gauland nicht sprechen lassen. Ein Rechtspopulist, so sagen sie, habe an einer Universität, an ihrer Universität, nichts zu suchen. Also lassen sie auch den Sprecher der „CampusAlternative“ nicht zu Wort kommen, der aussieht wie eine überzeichnete Karikatur eines Jung-Konservativen: Sakko, Hemd, Krawatte, das Gesicht eines Knaben. Immerhin gelingt es ihm, einen Kulturbeitrag anzukündigen. Seine Freundin, eine Chinesin, spielt ein Klavierstück. Ansonsten: Stille im Hörsaal. Als die Pianistin erleichtert endet, bricht Beifall los, stürmisch, überbordend. „Zugabe“-Rufe. Der Beifall wird in Wellen mal stärker, mal schwächer, aber er hört nicht mehr auf, eine Dreiviertelstunde. Transparente werden hochgehalten, Fahnen, von den Jusos, den Grünen, Antifaschisten. „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here!“, rufen sie. „Halt die Fresse!“ skandieren viele, aber nicht alle. Auch von draußen klopfen Studenten rhythmisch an die Fensterscheiben. Ein Mann um die 50 knurrt: „Und die sollen mal unsere Rente bezahlen!“

Alexander Gauland sitzt stoisch an seinem Tisch. Das Wasser unberührt. Keine Regung in seinem Gesicht. Er hat sich im Griff. Eine Stunde nach Beginn ruft der junge Anzugträger in den Lärm, dass sie die Veranstaltung abbrechen. Die Studenten johlen nun noch lauter. Die Polizei kommt herein, um Gauland und die anderen AfD-Leute nach außen zu geleiten. Jubel und Triumph auch im Vorraum. Ein Professor der Politikwissenschaft, Alexander Thumfart,  strahlt. Aber er gibt auch zu: „Für alle, die die Rede verhindert haben, ist klar, dass das demokratiepraktisch und -theoretisch ein Problem ist.“ Doch es ginge schließlich darum, zu verhindern, dass die AfD, noch dazu mit eigenem Sicherheitspersonal, an der Uni Fuß fasse. Da müsse man auch mal etwas radikaler sein.

 

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